 |
von David Twigg-Flessner
Am 3.Juni 1986, 14.20 Uhr stehe ich ungeduldig vor dem noch geschlossenen Eingang meines »autorisierten Commodore-Händlers« und warte darauf, meinen Traumcomputer endlich in Empfang zu nehmen. Am Vortag, eine halbe Stunde vor Geschäftsschluß, war der langersehnte Anruf gekommen: »Wir haben soeben eine Amiga-Lieferung bekommen - 20 Stück. Wenn Sie einen haben wollen, müssen Sie sofort kommen.« Aber wie? Ich wohnte eine gute Stunde Autofahrt vom Händler entfernt! Also schnell eine Vereinbarung für das Abholen am nächsten Nachmittag getroffen: »Aber wenn Sie bis 15.00 Uhr nicht hier sind, werden wir das Gerät nicht länger reservieren können - wir haben über 50 Bestellungen bis jetzt, und Commodore kann uns nicht sagen, wann wir wieder Ware erhalten.«
14.29 Uhr. Jetzt stehen drei weitere Personen vor dem Eingang und schauen sehnsüchtig auf den Amiga im Schaufenster, der unermüdlich die Workbenchdemos - Boxes, Lines, Dots - in verschiedenen Fenstern vorführt. Dann geht die Tür endlich auf. Wir stürmen zur Kasse, um unsere Computer abzuholen. Nur noch drei Geräte auf Lager und alle bis 15.00 Uhr reserviert! Der zuletzt Gekommene dreht sich enttäuscht um »Da habe ich heute wohl keine Chance mehr!« und geht. Ich nehme meinen Amiga in Empfang. Das Gerät hat aber nur 256 KByte Speicher: »Nein, die Erweiterung hat Commodore nicht mitgeschickt. Fragen Sie nächste Woche mal nach. Externe Laufwerke waren auch nicht dabei, aber Sie können ein Druckerkabel bekommen.« Wenigstens das!
Es fing so an, wie es häufiger in der Amiga-Geschichte passieren sollte - Warenmangel. Aber ich hatte endlich meinen Amiga auf den ich seit der ersten Ankündigung in der August-1984-Ausgabe von »Compute!« gewartet hatte. Da war die Rede von einem Computer namens Lorraine, mit 128 KByte Speicher, 68000-Prozessor, Tausenden von Farben, Multitasking-Fähigkeit, Modem und - was mich als Englischlehrer am meisten reizte - eingebauter Sprachsynthese. Ich fing gleich nach der Lektüre des Berichts an, alles über diese Maschine in Erfahrung zu bringen und wurde dadurch zu einem Entwicklungsgeschichte-Freak! Diese Geschichte will ich hier erzählen. |
 |