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DevCon: Das Geheinnis um »Baby« wird gelüftet - keine Spielkonsole, sondern ein neues Zwittergerät, ein Amiga-CD-Zwitter. Damit wurde eine Phase eingeleitet, in der erstmals seit drei Jahren neue Modelle zu sehen waren. Am 24.April wurde in New Yorker Palladium die Premiere von Amiga 3000 und AmigaVision gefeiert. Der Aufwand war wesentlich geringer als 1985 aber nicht minder beeindruckend. Die Videovorführung zeigte die Fähigkeiten des neuen Programms und des neuen Computers gleichzeitig. Damit war nicht nur der Einstieg, sondern effektiv die (vorläufige) Übernahme eines aktuellen Anwendungsbereichs geschafft: Amiga lieferte, was Apple unter der Bezeichnung 'Multimedia' propagierte!
Der Amiga 3000 signalisierte auch den Abschied von der 16/24-Bit-Technologie mit dem Wechsel zu einer vollen 32-Bit-Architektur - das Betriebssystem war schon immer in 32 Bit, die CPU intern ebenso - mit einem auf 512 KByte angewachsenem Betriebssystem - nicht die lange gehandelte 1.4 sondern 2.0; eine Bezeichnung, die laut allen bis dato gemachten Ingenieursaussagen nur dann verwendet werden sollte, wenn die Rückwärtskompatibilität nicht mehr gewährleistet wäre.
Harry Coppermann hatte sich passende Worte zurechtgelegt: »Jetzt sind wir dran. Jetzt ist unsere Zeit gekommen. Die Technologie hatten wir bereits vor viereinhalb Jahren. Um die Wahrheit zu sagen, wir hatten ein multimediafähiges Produkt, bevor Multimedia produktreif war. Schauen Sie sich die anderen Firmen an: Sie reden von Multimedia, aber sie bringen es nicht. Sie liegen weit hinter Conmmodore zurück.
Sechs Wochen später; CES Chicago: der zweite Streich. Aus »Baby« ist das »Commodore Interactive Graphics Player«, besser bekannt unter dem Marktnamen »Commodore Dynamic Total Vision«, kurz CDTV geworden. Die Markteinführung von CDTV wurde jedoch auf 1991 verschoben: um sicherzustellen, daß es für das neue Gerät auch hinreichend Software gab. Commodore konnte rosigen Zeiten entgegensehen.
Aber was dann kam, war typisch Commodore. Wie heißt es im »Deathbed Vigil«-Video: »Sie rissen die Niederlage aus den Klauen des Erfolgs!«
Ohne groß zu überlegen, wurde kurzerhand auf dem Höhepunkt des Errolgs der Amiga 500 abgesetzt und durch den 500+ mit dem ECS-Chipset ersetzt. Plötzlich funktionierten etliche Spiele auf dem 500+ nicht mehr! Sogar die Spiele-Entwickler waren überrascht. Proteste halfen nichts, die Firmenleitung blieb stur. Es sollte noch schlimmer kommen. Die PC-Abteilung mußte aufgegeben werden, weil der Marktanteil kaum erkennbar war.
Die alten Amiga 500 mußten aus dem Lager, um Platz für den 500+ zu machen: Absatz zu reduzierten Preisen - ein Verlustgeschäft (wenn auch nicht für die erfreuten Käufer). Dann wurde Henry Rubin durch Bill Sydnes als Leiter der Hardwareseite abgelöst, und die Entwicklung blieb fast schlagartig stehen.
Bis Februar 1991 waren die ersten Prototypen des A(G)A-Chipset fertig. Sie wurden in einige wenige Entwicklungsgeräte eingebaut; dieser Amiga 3000+, mit dem zusätzlichen »AT&T DSP 3210« als Soundprozessor wurde auf den Entwicklerkonferenzen in Denver und Mailand vorgestellt. Die Serie sollte ab April anlaufen und wurde von der Firmenleitung gestoppt. Gleiches galt bis Oktober für alle A(G)A-Projekte. Stattdessen wurde der als »Billiggerät« für Computereinsteiger geplante Amiga 300 umgemodelt und unter der Bezeichnung Amiga 600 als A500-Ersatz auf den Markt gebracht - ein Gerät, das weniger bot und mehr kostete!
Die Firmenleitung ordnete für 1992 die Entwicklung eines Geräts für die Marktlücke zwischen Amiga 300 und Amiga 3000 an: der Amiga 2200 wurde jedoch rundweg von allen Niederlassungen abgelehnt. Die kritische Finanzlage spitzte sich immer mehr zu.
Die Bosse gaben nach: Grünes Licht für AA. Aus den Entwürfen für Amiga 3000+ und 2200 entsteht der Amiga 4000, mit Betriebssystem 3.0. Der Einfluß des von IBM-Gedanken geprägten Sydnes macht sich im Wechsel von SCSI zu IDE deutlich bemerkbar. Obwohl der neue Amiga endlich mit A(G)A-Chips ausgeliefert wird und farbenmäßig mit dem Macintosh konkurrieren kann, ist die Reaktion nicht völlig zustimmend.
Für »das untere Ende des Markts« wird der Amiga 1200 entwickelt: diesmal mit mehr Mitteln und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Fürs Weihnachtsgeschäft erscheint das neue Modell fast zu spät, und die Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot. Es bahnt sich die Katastrophe an: angesichts des A1200 will niemand den A600. Auch der Amiga 3000 fällt bei den Käufern in Ungnade. ECS ist eindeutig »out«. Die Verlustzahlen steigen weiter.
CDTV hat sich auch als Fehlschlag entpuppt. Die Technologie ist gegenüber den neuen Modellen überaltet, das Programmangebot ist von mäßiger Qualität. 1993 wird der Nachfolger, CD32, auf der Grundlage des A1200 entwickelt. Alle sind mit dem Entwurf zufrieden: CD32 ist sowohl Spielkonsole, als auch zum Computer erweiterbar und kann als preiswerter Multimediatreiber eingesetzt werden. Aber die Mittel für die Serienproduktion reichen nur für etwa 100.000 Geräte, wovon allein in Großbritannien etwa 50.000 verkauft werden. Laut Deathbed-Vigil-Video hätte »Commodore mit 400.000 Geräten überleben können«.
Alles fällt der Finanznot nach und nach zum Opfer. Es findet keine Neuentwicklung statt; das AAA-Projekt wird eingestellt, obwohl die ersten Chips bereits existieren. Commodore kann die Lieferanten nicht mehr bezahlen. Nur an dem MPEG-Modul zum CD32, am Amiga 4000T und am Betriebssystem 3.1 wird weitergearbeitet. |
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