 |
Der Amiga ist nicht totzukriegen - auch die dritte Krise nach den Finanzschwierigkeiten der ursprünglichen Amiga Inc. und dem Konkurs Commodores 1994 wird überstanden: Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Escoms Konkursverwalter und den diversen Firmen, die Kaufangebote unterbreiteten, erhält überraschend der amerikanische PC-Riese Gateway2000 den Zuschlag für sämtliche Rechte an der Amiga-Technologie sowie die verbliebenen Geräte. Während der Konkursverhandlungen setzte die AMIGA Technologies GmbH i.K. mit Minimalbesetzung den Verkauf von Amiga-Computern fort.
Die AMIGA Technologies GmbH unter Petro Tyschtschenko (davor bei Commodore Deutschland) setzt ihre Arbeit unter dem neuen Namen »AMIGA International Inc.« (AI) als hundertprozentige, aber weitgehend eigenständige Tochterfirma von Gateway2000 fort, es geht wieder aufwärts. Während AMIGA International für Verkauf und Marketing verantwortlich zeichnet, gründet Gateway2000 eine zweite Tochterfirma in den USA: AMIGA Inc., zuständig für Research & Development, die neue Amiga-Entwicklungsabteilung. Geleitet wird sie von Jeff Schindler, der zuvor bei Gateway2000 eine Kombination aus PC und Fernseher entwickelte.
Da Gateway2000 im Gegensatz zu Escom ausschließlich den Amiga gekauft hat, nicht aber die Rechte am Namen »Commodore«, hofft die Amiga-Gemeinde, daß damit auch der Fluch von ihrer "Freundin" genommen wurde - und in der Tat ließ bisher bei den Folgeinhabern des Commodore-Namens der finanzielle Niedergang nicht lange auf sich warten.
Strittig bleiben die Amiga-Rechte für China - sie wurden unmittelbar nach ihrer Ersteigerung durch Escom weiterverkauft und befinden sich mittlerweile im Besitz der Firma »Lotus Pacific«. Sie stellt den A6000-WonderTV vor - ein Amiga als Multimediagerät fürs Wohnzimmer: Heimcomputer, 32-Bit-Spielekonsole, Internet-Zugang, Abspieler für MPEG-Video-CDs, Photo-, Audio- und Karaoke-CDs, mit Office-Software, als Computer erweiterbar - und all das zu einem sehr niedrigen Preis.
Ein großer Fortschritt unter AI gegenüber ihren Vorgängern ist die Vergabe von Lizenzen - erstmals ist es anderen Firmen möglich, Spezialchips und das Betriebssystem zur Herstellung eigener Amiga-Klone zu verwenden. Ankündigungen neuer Amiga-kompatibler Computer mit dem offiziellen "powered by Amiga"-Label schießen aus dem Boden, die Ansätze sind unterschiedlich. Die Palette erstreckt sich, um nur einige Beispiele von Klon-Herstellern zu nennen, von mit Extras versehenen A1200-Boards in Towergehäusen (Micronik) über neue, an den Amiga 4000 anknüpfende Designs (A5000, A6000 - DCE) und gänzlich neue Motherboards (»Access«, »Boxer« - Index Information) bis hin zum High-End-Amiga von Phase 5 Digital Products, Arbeitsname »Pre\Box«: Ein neuer Rechner mit 4 (!) PowerPC-CPUs und AmigaOS. |
 |