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Geschichte
 
Kapitel 8 - Mai 1986
 
Erst im Mai gab es konkrete Nachrichten: Die deutsche Niederlassung in Braunschweig arbeite an einem Gerät zur hardwaremäßigen IBM-Emulation, Bezeichnung »Sidecar« (Offensichtlich waren die Leute Motorradfreaks). Dieses Gerät wurde dann auch tatsächlich auf der ComDex-Messe gezeigt. Kaufen konnte man es aber erst viel, viel später in den USA, weil es Probleme mit der Einhaltung der strengen amerikanischen Abschirmungsnormen gab.

Die Programmierung der Verbindungsroutinen für die Janus-Schnittstelle wurde letztendlich vom abtrünnigen R.J. Mical besorgt. Von der deutschen Computerpresse anscheinend gänzlich unbemerkt - keine Meldung keine Interviews - hielt er sich zwischenzeitlich in Braunschweig auf. Die ursprünglichen Verbindungsroutinen haben ihn nicht besonders beeindruckt: »Es handelte sich um eine IBM-Emulation in einem Amiga-Fenster. Sie [Braunschweig] hatten sich nur um die Hardwareseite gekümmert, mit der Software haben sie gemogelt, aber wie! Das Programm blockiert das Fenster - es tat nur eins: nachschauen, ob sich in der Bildschirmdarstellung etwas geändert hatte. Von Multitasking keine Spur! Nicht mal von den Systemroutinen haben sie Gebrauch gemacht.«

R.J. übernahm »Zaphod« (seine Bezeichnung für Janus). Der Fortschritt seiner Bemühungen wurde daran gemessen, wie erfolgreich ein Programm wie Flight Simulator dargestellt werden konnte. Der Grund laut R.J.: »Flight Simulator war für mich von Anfang an die Meßlatte. Bruce Artwick, der Programmierer, ist ein guter Freund von mir. Um seine Zauberei zu realisieren, benutzt er jeden erdenklichen Trick und nutzt jede Eigenheit des Systems aus. Also, während der Entwicklung der Schnittstellensoftware habe ich Flight Simulator immer wieder auf Erprobungsflüge geschickt.«

Sidecar war eine kleine Sensation. Es hatte vorher Emulationen gegeben, aber noch nie war es gelungen, auf einem Heimcomputer - wenn auch der gehobenen Klasse - zwei verschiedene Betriebssysteme mit unterschiedlichen Prozessoren gleichzeitig (im Multitaskingmodus) laufen zu lassen, und das ohne Absturz oder erkennbare Verlangsamung der Ein-/Ausgabeoperationen. Wie hieß damals der neue Werbespruch: »Only Amiga makes it possible«. Hätte man das Gerät nicht vorgeführt, sondern nur angekündigt, es wäre als Aprilscherz abgehakt worden.

Zum Sommer 1986 hin tauchten wieder Gerüchte um neue Modelle auf; diesmal war von den typenbezeichnungen Amiga 2000 und 2500 die Rede, angeblich mit neuen Grafikchips, die volle 2 MByte Videospeicher adressieren sollten. Die Ursache dieses Gerüchts war die Aussage Jay Miners, der kurz nach seinem Ausscheiden bei Commodore bestätigte, die Planung solcher Chips abgeschlossen zu haben. Ausgeschieden war er zum Teil aus gesundheitlichen Gründen - er mußte sich kurz darauf einer Nierentransplantation unterziehen - und zum Teil aus Ärger über die Planung bei Commodore. Jay dazu: »Commodore wollte den A1000 nicht weiter bauen; sie meinten, er sei zu teuer. Anstatt aber die Produktionskosten zu senken, versuchten sie, daraus ein Gerät mit eingebauter Tastatur, wie beim Atari, zu machen. [Seltsamerweise wollte Atari damals sein Gerät Amiga-ähnlicher machen, mit eingebautem Laufwerk und getrennter Tastatur.] Ich habe mich sehr aufgeregt. Ich hätte binnen sechs Monaten den Amiga 1000 umgemodelt haben können, und ich hätte auch auf die IBM-Kompatibilität verzichtet, die die Einführung der neuen Geräte nur verzögert hat.«

Aber Commodore hatte zu dieser Zeit auch Finanzprobleme. Im Rahmen der Kostendämpfungsmaßnahmen wurden mehrere Mitglieder der Amiga-Abteilung entlassen. Davon wurde abgelenkt durch neue Meldungen eines »Baby-Amiga«, der mal als »B 52«, mal als »Amiga 500« bezeichnet wurde. Auch soll an Version 1.2 »herumgefummelt« worden sein: Angeblich hätten die Autoren von zwei »wichtigen Amiga-Programmen« eigene Flickroutinen gegen die Macken des älteren Betriebssystems geschrieben und nun funktionerten diese Programme nicht mehr. Also sollen die alten Macken deshalb wieder eingebaut worden sein!

Ansonsten verlief 1986 ohne besondere Vorkommnisse: AmigaOS 1.2 wurde freigegeben, die Los-Gatos-Gruppe schrumpfte unaufhörlich weiter. Im Dezember schlug der Amiga wieder zu, als in der Folge »The Eternal Mind« die Fernsehserie »Amazing Stories« zwei Amigas zum Einsatz brachte. Auch in der Serie »Max Headroom« wurde der Computer eingesetzt.

In den letzten Jahren ist der Amiga bei vielen Filmen und Fernsehserien nicht wegzudenken gewesen: »Robo Jr« gewann vier Emmies, »Panama Deception« einen Dokumentarfilm-Oskar; »Jurassic Park«, »Honey I blew up the kid«, »Death becomes her« und »The dark half« benutzten Amiga-Effekte. Im Fernsehen kam der preiswerte Amiga u.a. zum Einsatz bei Serien wie »seaQuest DSV«, »Babylon 5«, »Miami Vice«, »Robocop«, »Viper« und »Unsolved Mysteries«.

Auf der CES 1987 wurde dann das Geheimnis um die neuen Amigas gelüftet: Amiga 500 und 2000 hießen die neuen, und dem alten Gerät wurde nachträglich die Bezeichnung Amiga 1000 verpaßt. Während der Amiga 500 als Low-End-Gerät für den Heimbenutzer gedacht war, sollte der Amiga 2000 den Vorstoß in die von IBM beherrschte Bürocomputerwelt einleiten, und war zu diesem Zweck mit IBM-kompatiblen Erweiterungsslots versehen. Dazu gab es die XT-Brückenkarte. Zu diesem Konzept sagte R.J. Mical: »Es handelt sich nicht um einen PC am Amiga, sondern um ein neuartiges Gerät, das beide Prozessoren benuzt. Die PC-Seite ist nur als weiterer Koprozessor in der Amiga-Welt anzusehen. Das ist eine völlig neuartige Maschine, ein Zwitter. Das könnte zu einer neuen Denkweise in Bezug auf Computer werden - eine Multiprozessorarchitektur. Dahin führt der Weg, so sieht die Zukunft aus.«

Aber diese Zukunftsvision hat in Amerika die Zukunft des Amigas fast zerstört, denn die Zwangspause in der Produktverfügbarkeit hat den Markt erheblich beeinträchtigt. Dazu Jay Miner: »Die Firma war ein Jahr lang ohne Produkt. Da ist sehr viel Schwung verlorengegangen. Es gab kaum neue Software, und IBM und Macintosh konnten riesige Umsätze schaffen.« Die ersten Amiga-Entwickler hatten nämlich schon begonnen, sich nach den anderen Computertypen umzusehen.

Zwischen der CeBIT 1987 und 1990 sollte es so weitergehen, ohne nennenswerte Hardware-Neuigkeiten und mit stagnierendem Umsatz. Erst im Lauf von 1988 war die erste magische Zahl - eine Million verkaufte Geräte - erreicht. Die zweite Millionengrenze wurde anderthalb Jahre später erreicht, vorwiegend in der Bundesrepublik. Dann gab es erst den Aufschwung in Großbritannien: 1 Million Einheiten pro Jahr. Aber für Commodore kam das eigentlich zu spät. Und wir befassen uns auch erst später näher damit.

Die meiste Aktivität in dieser Zeit fand in der Gerüchteküche statt, nachdem die Amiga-Abteilung in Los Gatos im Frühjahr 1987 endgültig geschlossen wurde. Commodore hätte gern bestimmte Leute behalten, aber sie waren nicht bereit, zur Ostküste umzusiedeln, wie Dale Luck erklärt: »Commodore wollte, daß wir alle nach Pennsylvanien umziehen, aber das wollten wir nicht, denn Kalifornien hat vieles zu bieten, was es in West Chester nicht gibt. Hier ist immer was los, man sitzt an der Quelle bei den neuen Entwicklungen in Hardware, Software und ICs und man darf die vielen persönlichen Kontakte zu anderen Entwicklern nicht außer Acht lassen - die trifft man an fast jeder Straßenecke. Also wurden wir zu 'Beratern' - und erhielten nach Bedarf von Commodore befristete Aufträge. Durch die Schließung von Los Gatos wurde die Weiterentwicklung von Intuition um acht bis neun Monate verzögert, und es ging viel Schwung verloren.«

Wie gesagt, nur in der Gerüchteküche ging der Schwung nie verloren, und das hat die Überlebenschancen des Amiga erheblich verbessert. Der neue Agnus-Chip war im Gespräch: Adreßraum 2 MByte, 8 Bitebenen für 256 Farben. Da war die Transputerkarte mit bis zu 16-facher Kaskadierung und dem vom AmigaDOS-Mann Dr.Tim King entwickelten Betriebssystem Helios. Es gebe eine 68020-Karte mit 32-Bit-RAM-Speicher. Das Betriebssystem sollte unter Manx C neu kompiliert worden sein. Es gebe auch einen Amiga 3000 mit 68030, SuperAgnus und SuperDenise mit besserer Auflösung und mehr Farben. Das Supergerücht des Jahres lieferte Winfried Hoffmann, Geschäftsführer von Commodore Deutschland; in einem Interview mit der Zeitschrift Happy Computer (Ausgabe 8/87) sagte er: »Wir warten auf den Amiga 1000 in der neuen Version, die in nächster Zeit kommen wird. Vom Design her wird der neue Amiga 1000 so aussehen wie der jetzige [der nicht mehr gebaut wurde!]. Nur im Innern wird eine neue Karte auf der Basis des Amiga 500 eingebaut sein (mit dem Betriebssystem im ROM).«
 
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Kapitel 1
Die Geschichte des AMIGA
Kapitel 2
Von Anfang an - 1982
Kapitel 3
März 1983
Kapitel 4
Januar 1984
Kapitel 5
Januar 1985
Kapitel 6
November 1985
Kapitel 7
Februar 1986
Kapitel 8
Mai 1986
Kapitel 9
März 1988
Kapitel 10
März 1990
Kapitel 11
April 1994
Kapitel 12
1995
Kapitel 13
1996
Kapitel 14
1997 / 1998
Kapitel 15
15. Mai 1998
Kapitel 16
Oktober/November 1998
Kapitel 17
1999
Kapitel 18
08. Januar 2000
 
 



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